Fallstudie: 10 kWp PV + 10 kW Wärmepumpe – Was ist realistisch?
Reale Zahlen einer 10-kWp-PV-Anlage mit einer 10-kW-Wärmepumpe – Erträge, Eigenverbrauch und Kostenersparnis.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 18. Dezember 2025
Die Fallstudie: Ein reales Beispiel
Zahlen aus der Praxis sind ehrlicher als Hochglanzprospekte. Deshalb nehme ich Sie in dieser Fallstudie mit in ein reales Projekt: Ein Einfamilienhaus in Mitteldeutschland (Stuttgart-Umgebung), 4-köpfige Familie, 180 m² Wohnfläche, gut gedämmtes Gebäude (KfW 70), Fußbodenheizung.
Anlagenkonfiguration
- PV-Anlage: 10 kWp, Süd-Ausrichtung, 30° Neigung
- Wärmepumpe: Luft-Wasser-WP, 10 kW Heizleistung, JAZ 3,8
- Warmwasserspeicher: 500 L
- Pufferspeicher: 200 L
- Steuerung: SG Ready + einfaches EMS
- Kein Batteriespeicher
Jahresenergiedaten
- PV-Jahresertrag: 9.800 kWh
- WP-Jahresstromverbrauch: 4.700 kWh (für 17.860 kWh Wärme bei JAZ 3,8)
- Haushaltsstromverbrauch: 4.200 kWh
- Gesamtverbrauch: 8.900 kWh
- Eigenverbrauch PV: 5.900 kWh (60,2 %)
- Einspeisung: 3.900 kWh
- Netzbezug: 3.000 kWh
Kostenrechnung
- Netzstromkosten: 3.000 kWh × 0,33 € = 990 €
- Einspeisevergütung: 3.900 kWh × 0,082 € = 320 €
- Fixe PV-Kosten (Wartung, Versicherung): ca. 200 €/Jahr
- WP-Betriebskosten (Wartung): ca. 150 €/Jahr
- Gesamte Energiekosten: 990 + 200 + 150 - 320 = 1.020 €/Jahr
Vergleich ohne WP+PV (Gasheizung)
- Gasverbrauch für 17.860 kWh Wärme bei η 90 %: ~19.800 kWh Gas
- Gaskosten: 19.800 × 0,09 € = 1.782 €
- Haushaltsstromkosten: 4.200 × 0,33 € = 1.386 €
- Gesamtkosten Gas-Szenario: 3.168 €/Jahr
Ersparnis
WP+PV-System vs. Gas+Netzstrom: 3.168 – 1.020 = 2.148 € jährliche Ersparnis
Bei Investitionskosten von ca. 35.000 Euro (WP 15.000 + PV 12.000 + Förderung -8.000): Amortisation in ca. 12–14 Jahren (ohne Preissteigerungen). Mit realistischen Energiepreissteigerungen von 2–3 % jährlich: 9–11 Jahre.
Was hätte man besser machen können?
- Ost-West-Ausrichtung hätte Eigenverbrauch um ~8 % erhöht
- Batteriespeicher (10 kWh) hätte Netzbezug um weitere ~2.000 kWh reduziert
- Dynamischer Tarif (Tibber) hätte nochmals ca. 150–200 € gespart
Meine Bewertung
Diese Anlage ist ein gutes, solides Hybridkonzept. Die Eigenverbrauchsquote von 60 % ist ohne Batteriespeicher respektabel. Die jährliche Ersparnis von über 2.000 Euro zeigt die wirtschaftliche Stärke des Konzepts. Das System ist nachvollziehbar, wartungsarm und zukunftssicher.