Fußbodenheizung als thermischer Speicher für PV-Strom
Die Fußbodenheizung mit Estrich ist ein unterschätzter Wärmespeicher – ideal für die Nutzung von PV-Überschuss.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 6. Dezember 2025
Der unterschätzte Speicher unter Ihren Füßen
Wenn Sie eine Fußbodenheizung besitzen, verfügen Sie über einen thermischen Speicher, den die meisten völlig ignorieren: den Estrich. Dieser 6–10 cm starke Betonboden hat eine erhebliche Wärmekapazität und eignet sich hervorragend als kurzfristiger Puffer für PV-Überschuss.
Das Prinzip: Wenn Ihre PV-Anlage mittags Überschuss produziert, erhöhen Sie die Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung leicht. Der Estrich nimmt diese Wärme auf und gibt sie über Stunden langsam wieder ab – ohne dass die Wärmepumpe dabei laufen muss. Ergebnis: Weniger Netzstrombedarf am Abend und in der Nacht.
Physikalische Grundlagen
Estrich hat eine spezifische Wärmekapazität von ca. 840 J/(kg·K). Bei einer Dichte von 2.000 kg/m³ und einem typischen Estrich von 7 cm Dicke über 100 m² Fläche ergibt sich:
- Estrichmasse: 100 m² × 0,07 m × 2.000 kg/m³ = 14.000 kg
- Wärmekapazität: 14.000 kg × 840 J/(kg·K) = 11,76 MJ/K = 3,27 kWh/K
- Bei 2 °C Temperaturerhöhung: 6,5 kWh thermische Speicherkapazität
6,5 kWh thermisch aus dem Estrich allein – das ist beachtlich!
Wie viel PV-Strom entspricht das?
Die Wärmepumpe produziert diese 6,5 kWh thermisch mit einem COP von 4 aus ca. 1,6 kWh elektrisch. Das bedeutet: 1,6 kWh Solarstrom werden als Wärme im Estrich gespeichert – genug, um die WP am Abend für 1–2 Stunden zu entlasten.
Umsetzung in der Praxis
- Schritt 1: Normale Vorlauftemperatur Ihrer FBH ermitteln (z. B. 28 °C bei 0 °C Außen)
- Schritt 2: Bei PV-Überschuss Vorlauftemperatur um 3–5 °C erhöhen (z. B. auf 31–33 °C)
- Schritt 3: Nach Ende der PV-Spitze normale Vorlauftemperatur wiederherstellen
- Schritt 4: Beobachten: Bleibt das Haus auch ohne WP-Betrieb im Komfortbereich?
Wichtige Einschränkungen
- Zu hohe Vorlauftemperaturen senken den COP der WP deutlich – nicht über 40 °C gehen
- Bei sehr gut gedämmten Häusern kann der Estrich auch überhitzen (Komfortverlust)
- Fußbodenheizungen reagieren träge – Vorlaufänderungen brauchen 30–60 Minuten zum Einwirken
- Das Konzept funktioniert nur in der Heizperiode – im Sommer ist keine Speicherung sinnvoll
Automatisierung mit EMS oder SG Ready
Die beschriebene Strategie lässt sich automatisieren:
- SG Ready Stufe 3 erhöht automatisch die Heizkurve um einen konfigurierten Offset
- EMS-Systeme können die Vorlauftemperatur stufenlos an den verfügbaren PV-Überschuss anpassen
- Home Assistant: Automatisierung „PV-Überschuss → Heizkurve +3°C" in wenigen Minuten eingerichtet
Meine Empfehlung
Wenn Sie eine Fußbodenheizung haben, nutzen Sie die Estrichmasse als ersten kostenlosen Speicher. Aktivieren Sie SG Ready und stellen Sie sicher, dass die WP-Steuerung die Vorlauftemperatur bei SG-Ready-Signal erhöht. Das bringt echten Mehrwert – ohne jeden Euro Zusatzinvestition.