Heizperiode und Solarertrag: Was wirklich zusammenpasst
Der Realitätscheck: Wie viel PV-Strom steht in der Heizperiode wirklich zur Verfügung – und was bedeutet das für Ihre Planung?
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 25. Oktober 2025
Die romantische Vorstellung und die Realität
Viele Menschen, die über eine WP+PV-Kombination nachdenken, haben eine optimistische Vorstellung: Im Winter scheint die Sonne, die PV-Anlage versorgt die Wärmepumpe, und die Heizkosten fallen auf null. Leider entspricht das nicht der Realität – und es ist wichtig, das klar anzusprechen, damit keine falschen Erwartungen entstehen.
Die Heizperiode in Deutschland dauert typischerweise von Oktober bis April – also 7 Monate. In diesen 7 Monaten produziert eine PV-Anlage erheblich weniger Strom als in den 5 Sommermonaten. Konkret: Etwa 30–35 % des Jahresertrags entfallen auf Oktober bis April.
Solarertrag in der Heizperiode: Die Zahlen
Für eine 10-kWp-Anlage in Mitteldeutschland (Jahresertrag ca. 9.500 kWh) bedeutet das:
- Oktober: ca. 550 kWh
- November: ca. 280 kWh
- Dezember: ca. 200 kWh
- Januar: ca. 250 kWh
- Februar: ca. 380 kWh
- März: ca. 700 kWh
- April: ca. 900 kWh
- Gesamt Heizperiode: ca. 3.260 kWh (34 %)
Wie viel des WP-Stroms kommt von der PV?
Eine 8-kW-WP in einem typischen Einfamilienhaus verbraucht in der Heizperiode ca. 3.500–4.500 kWh. Das bedeutet: Die PV-Anlage kann bestenfalls 50–70 % des Winterstrombedarfs der WP decken – im wirklich schlechten Fall nur 20–30 %. Und das nur an guten Tagen, nicht kontinuierlich.
Die kritischen Wintertage: Reale Tagesleistung im Januar
An einem typischen Januartag in Deutschland produziert eine 10-kWp-Anlage:
- Guter Sonnentag: 8–15 kWh
- Bewölkter Tag: 1–4 kWh
- Trüber Nebeltag: 0,5–1,5 kWh
Gleichzeitig verbraucht die Wärmepumpe an einem Kältetag (z. B. -5 °C außen) 15–25 kWh elektrisch. Die Differenz muss zwingend aus dem Netz kommen.
Was lernen wir daraus für die Planung?
- Planen Sie nicht damit, im Winter energieautark zu sein
- Eine gute WP+PV-Anlage senkt die Winterstromkosten, eliminiert sie aber nicht
- Dynamische Tarife (Tibber, aWATTar) ergänzen die PV in der Heizperiode optimal
- Die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems liegt im Jahresbetrieb – Sommer kompensiert Winter
- Autarkie über 80 % im Winter ist ohne massive Batteriespeicherung illusorisch
Die positive Botschaft
Trotz aller Einschränkungen: Selbst in der Heizperiode spart eine WP+PV-Anlage erheblich. Jede kWh Solarstrom für die WP spart 25–30 Cent Netzstromkosten. Über die ganze Heizperiode können das 500–1.500 Euro sein – Jahr für Jahr.
Meine Empfehlung
Planen Sie Ihre WP+PV-Anlage mit realistischen Wintererwartungen. Ein guter Berater zeigt Ihnen die Monatsbilanz für das ganze Jahr – nicht nur die schönen Sommermonate. Mit realistischen Zahlen können Sie eine kluge Entscheidung treffen und werden später nicht enttäuscht.