PV-Anlage für die Wärmepumpe richtig dimensionieren (kWp-Rechner)
Wie viele kWp PV braucht man für eine Wärmepumpe? Mit diesem Leitfaden und Rechenbeispielen finden Sie die optimale Anlagengröße.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 16. Oktober 2025
Die richtige PV-Größe für Ihre Wärmepumpe – keine triviale Frage
Eine der häufigsten Fragen, die mir Hausbesitzer stellen: „Wie groß muss meine PV-Anlage sein, damit sie meine Wärmepumpe sinnvoll versorgen kann?" Die ehrliche Antwort: Es gibt keine universelle Formel, aber es gibt klare Faustregeln und eine Schritt-für-Schritt-Methodik, die zu einer fundierten Entscheidung führt.
Schritt 1: Strombedarf der Wärmepumpe ermitteln
Der Jahresstromverbrauch Ihrer Wärmepumpe hängt von mehreren Faktoren ab:
- Heizlast des Gebäudes (kW) – ergibt sich aus Gebäudegröße, Dämmstandard und Klimazone
- JAZ (Jahresarbeitszahl) – Verhältnis von erzeugter Wärme zu verbrauchtem Strom (typisch 3–4 für Luft-WP)
- Heizbedarf Warmwasser – je Person ca. 500–700 kWh thermisch pro Jahr
Formel: Jahresstromverbrauch WP (kWh) = (Jahresheizwärmebedarf in kWh + Warmwasserwärmebedarf in kWh) ÷ JAZ
Beispiel: Haus mit 15.000 kWh Heizwärmebedarf + 3.000 kWh Warmwasser = 18.000 kWh thermisch. Bei JAZ 3,5: 18.000 ÷ 3,5 = ~5.140 kWh elektrisch pro Jahr.
Schritt 2: Realistische PV-Erträge berechnen
In Deutschland produziert eine optimal ausgerichtete 1-kWp-PV-Anlage im Jahresdurchschnitt:
- Norddeutschland: ca. 850–950 kWh/kWp·a
- Mitteldeutschland: ca. 950–1.050 kWh/kWp·a
- Süddeutschland: ca. 1.050–1.200 kWh/kWp·a
Schritt 3: Eigenverbrauchsquote schätzen
Nicht der gesamte PV-Strom fließt in die Wärmepumpe. Die Eigenverbrauchsquote hängt von Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Verbrauch ab. Ohne Speicher und ohne EMS liegt sie für die WP bei ca. 40–60 %. Mit EMS und thermischer Speicherung: 60–80 %.
Schritt 4: PV-Größe berechnen
Formel: kWp = (WP-Strombedarf in kWh × 1/Eigenverbrauchsquote) ÷ spezifischer Jahresertrag
Beispiel: 5.140 kWh WP-Bedarf, Eigenverbrauchsquote 60 %, Ertrag 1.000 kWh/kWp: kWp = (5.140 × 1/0,6) ÷ 1.000 = 8.570 ÷ 1.000 ≈ 8,6 kWp
Dazu kommt noch der normale Haushaltsstromverbrauch (4.000–6.000 kWh). Insgesamt sollte die PV-Anlage also 10–15 kWp haben, um sowohl Haushalt als auch Wärmepumpe gut zu versorgen.
Faustregeln für die Praxis
- Pro 1 kW Heizleistung der WP: ca. 0,5–0,8 kWp PV
- Für eine 8-kW-WP: mindestens 8–10 kWp PV
- Für eine 12-kW-WP: mindestens 12–15 kWp PV
- Grundsatz: Lieber etwas zu groß als zu klein – Überschuss lässt sich nutzen oder einspeisen
Meine Empfehlung
Unterschätzen Sie die Anlagengröße nicht. Viele Hausbesitzer starten mit 6–8 kWp und bereuen später, nicht größer geplant zu haben. PV-Anlagen werden günstiger, und mit wachsender Elektromobilität (E-Auto) und Klimatisierung steigt der Strombedarf. Planen Sie daher mit Puffer – 12–15 kWp für ein modernes Einfamilienhaus mit WP sind keine Übertreibung, sondern Weitsicht.