SG Ready: Die wichtigste Schnittstelle für WP+PV erklärt
SG Ready ist der einfachste Weg, Wärmepumpe und PV-Anlage zu verbinden. Was die Schnittstelle leistet und wie sie funktioniert.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 15. November 2025
SG Ready: Klein, aber entscheidend
„SG Ready" steht für „Smart Grid Ready" – und ist die wichtigste, aber oft ignorierte Schnittstelle zwischen Wärmepumpe und Photovoltaikanlage. Dabei ist das Konzept denkbar einfach: Zwei Klemmen an der Wärmepumpe, über die externe Signale gegeben werden können. Diese Signale teilen der WP mit, in welchem Modus sie operieren soll.
Obwohl SG Ready seit über einem Jahrzehnt existiert, nutzen die meisten WP+PV-Besitzer diese Verbindung nicht. Das ist schade – denn sie ist oft der günstigste und effektivste Hebel für mehr Eigenverbrauch.
Die vier SG-Ready-Betriebszustände
SG Ready definiert vier Betriebszustände, die über zwei Schalterkontakte (S1 und S2) realisiert werden:
- Zustand 1 (S1=offen, S2=offen): Normal-Betrieb – WP läuft nach eigener Programmierung, keine externe Beeinflussung
- Zustand 2 (S1=geschlossen, S2=offen): EVU-Sperre – WP kann durch Netzbetreiber für max. 2 h gesperrt werden (§ 14a)
- Zustand 3 (S1=offen, S2=geschlossen): Einschalt-Empfehlung – WP soll bevorzugt laufen, erhöhte Soll-Temperaturen (PV-Überschuss vorhanden)
- Zustand 4 (S1=geschlossen, S2=geschlossen): Zwangs-Einschaltung – WP wird zwingend auf erhöhter Stufe betrieben (maximale Überschussnutzung)
Was passiert in Zustand 3 (Einschalt-Empfehlung)?
Die meisten WP-Hersteller reagieren auf Zustand 3 mit folgenden Maßnahmen:
- Warmwassertemperatur um 5–10 °C erhöhen (mehr thermische Speicherung)
- Heizkreistemperatur leicht erhöhen (Vorheizen des Gebäudes)
- Laufzeit verlängern, auch wenn Hysterese noch nicht abgelaufen
Was passiert in Zustand 4 (Zwangs-Einschaltung)?
- Warmwasserladung auf Maximaltemperatur (z. B. 60 °C)
- Heizkreis auf erhöhtem Niveau (z. B. +5 °C zur normalen Heizkurve)
- WP läuft, auch wenn sie ohne Signal pausiert hätte
Wie wird SG Ready mit dem Wechselrichter verbunden?
Die meisten modernen Wechselrichter haben Relaisausgänge oder Schaltkontakte, die bei einem definierten PV-Überschuss aktiviert werden. Diese Kontakte werden mit den SG-Ready-Klemmen der WP verbunden.
Beispiel SMA: Im SMA Sunny Boy / Tripower kann ein Relaisausgang so programmiert werden, dass er bei Überschuss über 1 kW das Signal für SG-Ready Stufe 3 gibt, bei über 3 kW Stufe 4.
Kosten und Aufwand
Die SG-Ready-Verbindung selbst kostet praktisch nichts: Ein Elektriker legt zwei Steuerleitungen von der WP zum Wechselrichter – Materialkosten unter 50 Euro, Lohnkosten je nach Entfernung 100–300 Euro. Das ist eine der kostengünstigsten Optimierungen überhaupt, mit einer Amortisation in wenigen Monaten.
Meine Empfehlung
Wenn Sie eine WP und eine PV-Anlage haben, aber noch keine SG-Ready-Verbindung: Lassen Sie diese sofort herstellen. Fragen Sie Ihren WP- oder PV-Installateur, ob er die Verbindung nachrüsten kann. In den meisten Fällen ist das ein kleiner Handgriff mit großem Effekt.