Smart Load Shifting: Wärmepumpe intelligent zeitlich verlagern
Load Shifting mit der Wärmepumpe bedeutet: Heizbetrieb in Zeiten hoher PV-Erzeugung verlagern – für maximale Kostenersparnis.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 7. Oktober 2025
Was bedeutet Load Shifting bei der Wärmepumpe?
„Load Shifting" – auf Deutsch Lastverschiebung – ist ein Begriff aus dem Energiemanagement, der beschreibt, wie flexible Verbraucher zeitlich verschoben werden, um teuren Netzstrom zu vermeiden oder günstigen Strom optimal zu nutzen. Für Wärmepumpenbesitzer mit PV-Anlage ist Load Shifting eine der wirkungsvollsten Methoden, um Betriebskosten zu senken.
Das Prinzip: Wenn die Sonne scheint und die PV-Anlage Überschuss produziert, läuft die Wärmepumpe auf erhöhter Stufe. Wenn kein Solarstrom vorhanden ist, reduziert sie ihre Aktivität. Das Gebäude und die Warmwasserspeicher puffern die zeitlichen Verschiebungen – ohne Komfortverlust.
Die thermische Trägheit als Vorteil
Ein gut gedämmtes Gebäude verliert nach dem Vorheizen nur sehr langsam Wärme. Bei einem Haus mit einem Wärmedurchgangskoeffizient von 0,2 W/(m²K) und 200 m² Wohnfläche bedeutet das: Eine Vorheizung um 1 °C hält das Gebäude für mehrere Stunden auf erhöhtem Temperaturniveau – ohne dass die Wärmepumpe weiter laufen muss.
- Gut gedämmtes Gebäude (KfW 55 oder besser): 4–8 Stunden thermische Pufferkapazität
- Älteres Bestandsgebäude: 1–3 Stunden
- Warmwasserspeicher 300 Liter: 3–5 kWh thermische Speicherkapazität
- Fußbodenheizung mit Estrich: zusätzlich 1–3 kWh Speicher
Technische Umsetzung des Load Shiftings
Es gibt mehrere Wege, Load Shifting technisch umzusetzen – je nach verfügbarer Infrastruktur:
Option A: Zeitprogramm (einfach, ohne Zusatzkosten)
Die simpelste Methode: Programmieren Sie die Wärmepumpe so, dass erhöhte Heizkreistemperaturen und Warmwasserbereitung in den Mittagsbereich fallen. Viele WP-Steuerungen erlauben das Setzen von Zeitfenstern. Nachteil: Keine Reaktion auf tatsächliche PV-Erzeugung, nur Erfahrungswerte.
Option B: SG-Ready (kostengünstig, effektiv)
Ein einfacher Schalter oder ein Relaisausgang am Wechselrichter aktiviert den SG-Ready-Eingang der Wärmepumpe, sobald ein definierter Überschuss erreicht ist. Dies kostet in der Installation kaum etwas und erhöht den Eigenverbrauch bereits signifikant.
Option C: Energiemanagementsystem (optimal)
Ein EMS wie der SMA Sunny Home Manager oder Fronius Energie Manager überwacht Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit. Er sendet Signale an die WP, wenn Überschuss vorhanden ist – und reduziert die Anforderung, wenn der Überschuss sinkt. Das erlaubt stufenloseres, effizienteres Load Shifting.
Saisonale Unterschiede beim Load Shifting
Das Load-Shifting-Potenzial ist stark saisonal geprägt:
- Frühling/Herbst: Beste Bedingungen – hoher Heizbedarf trifft auf mittleren bis guten PV-Ertrag. Ideale Jahreszeiten für Load Shifting.
- Sommer: Wenig Heizbedarf, viel PV. Load Shifting hauptsächlich für Warmwasser und Klimatisierung.
- Winter: Wenig PV, hoher Heizbedarf. Load Shifting nur in Mittagsstunden möglich – aber immerhin.
Was bringt Load Shifting finanziell?
Bei einer WP mit 4.000 kWh Jahresverbrauch und einer Eigenverbrauchssteigerung von 20 Prozentpunkten durch Load Shifting ergibt sich: 800 kWh Solarstrom statt Netzstrom. Bei 25 Cent Differenz (35 Cent Netzstrom minus 10 Cent PV-Eigenkosten) sind das 200 Euro jährliche Ersparnis – jedes Jahr.
Meine Empfehlung
Starten Sie mit Schritt 1: Aktivieren Sie das SG-Ready-Interface Ihrer Wärmepumpe und verbinden Sie es mit dem Wechselrichter. Das ist der günstigste und effektivste Einstieg ins Load Shifting. Wenn Sie dann den Optimierungshunger entwickeln, lohnt sich ein vollwertiges EMS als nächste Investition.