Sommer vs. Winter: WP und PV im Jahresverlauf richtig verstehen
Im Sommer viel PV, wenig Heizlast. Im Winter wenig PV, viel Heizbedarf. Wie Sie das Zusammenspiel saisonal optimal gestalten.
Von Redaktion Waermepumpesolar · Redaktion · veröffentlicht am 22. Oktober 2025
Das grundlegende saisonale Dilemma
Das größte Paradoxon bei der Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik ist die gegensätzliche Saisonalität: Im Sommer, wenn die PV-Anlage auf Hochtouren läuft, braucht das Haus kaum Heizenergie. Im Winter, wenn der Heizbedarf am größten ist, liefert die PV-Anlage nur einen Bruchteil ihrer Nennleistung. Klingt wie ein Problem – ist aber lösbar, wenn man die Strategie für jede Jahreszeit kennt.
Sommer: Viel PV, wenig Heizlast
Im Juli erzeugt eine 10-kWp-Anlage in Deutschland täglich 40–60 kWh – aber das Haus braucht kaum Heizenergie. Was passiert mit dem Überschuss?
- Warmwasserbereitung: Brauchwasser auf maximale Temperatur (55–60 °C) laden – das verbraucht täglich 3–8 kWh thermisch
- Schwimmbad: Falls vorhanden, ist Sommerüberschuss ideal für Poolheizung
- E-Auto laden: Überschuss für Elektrofahrzeuge nutzen
- Klimatisierung: Viele WPs können auch kühlen – Sommer-Überschuss für angenehme Raumtemperaturen
- Einspeisung: Was nicht selbst genutzt werden kann, ins Netz einspeisen
Herbst: Die goldene Jahreszeit für WP+PV
September bis November ist die beste Jahreszeit für das Hybridkonzept. Die Heizlast beginnt zu steigen, während die PV-Anlage noch vergleichsweise gut produziert. Mittagsstunden mit 3–6 kW PV-Leistung treffen auf einen echten Heizbedarf – ideale Bedingungen für Load Shifting und thermische Vorheizung.
Winter: Realistisch bleiben
Im Dezember und Januar produziert eine 10-kWp-Anlage in Deutschland nur 2–8 kWh täglich – an manchen Tagen fast gar nichts. Die WP läuft überwiegend mit Netzstrom. Das ist normal und kein Versagen des Konzepts. Folgende Strategie gilt für den Winter:
- An Sonnentagen (auch im Winter!): WP in der Mittagsspitze (11–14 Uhr) bevorzugt betreiben
- Dynamische Stromtarife nutzen: In Niedrigpreisphasen (nachts) heizen
- Gebäude als thermischer Puffer: Vorheizen wenn Strom günstig, Abkühlen lassen wenn teuer
- Erwartungen realistisch halten: Im Winter sind 10–20 % PV-Eigenversorgung der WP realistisch
Frühling: Auftanken und Optimieren
Im März und April steigen PV-Ertrag und Tageslänge rapide. Gleichzeitig sinkt der Heizbedarf noch nicht sofort. Diese Phase ist ideal, um:
- Speicher thermisch voll zu laden
- WP-Einstellungen auf Frühjahr/Sommer umzustellen
- Energiebilanz des Winters zu analysieren
Jahresbilanz: Was ist realistisch?
Über das gesamte Jahr betrachtet, kann eine gut geplante 10-kWp-PV-Anlage den Strombedarf einer 8-kW-WP zu 40–60 % decken. Das bedeutet: 40–60 % der Heizenergie kommt letztlich kostenlos von der Sonne – eine erhebliche Einsparung gegenüber reinem Netzstrombetrieb.
Meine Empfehlung
Planen Sie Ihr WP+PV-System für das ganze Jahr, nicht nur für eine Jahreszeit. Die Sommerstrategie (P2H, E-Auto, Klimatisierung) ist genauso wichtig wie die Winterstrategie (dynamische Tarife, Vorheizen in Sonnenstunden). Wer beide Jahreszeiten optimiert, holt das Maximum aus seinem Hybridkonzept heraus.